Wing Chun
Für die, die es ganz eilig haben :)
Ich verlinke hier ein Video von Martin, welches einen tollen Ersteindruck vermittelt, was man in den Schülergraden lernen kann: Hier geht es zum Video
Graduierungen im Wing Chun
Das Graduierungssystem im Wing Chun unterteilt sich in vier Bereiche: Es gibt Schüler-, Techniker- (Lehrer), Praktiker-(Meister) und Großmeistergrade.
Natürlich ist es möglich, dass der eine oder andere Verband andere Namen für die einzelnen Bereiche verwendet, aber im Großen und Ganzen setzt so gut wie jeder auf diese Vierteilung der Programme.
Schülergrade
In der Regel gibt es 12 Schülergrade im Wing Chun.
Vor allem lernt man hier die Siu Nim Tao und die Cham Kiu inklusive Chi-Sao-Anwendungen und Lat Sao.
Oder für den Laien: Hier lerne ich mich zu verteidigen und anzugreifen.
Schlagen, treten, Knie, Ellenbogen, Befreiungen, Abwehr etc.
In der Regel tragen die Schüler folgende Shirtfarben:
SG 1-4 (Unterstufe): Weiß
SG 5-9 (Mittelstufe): Blau
SG 10-12 (Oberstufe): Schwarz
1. TG - 4. TG (Lehrergrade/Meistergrade): Rot
ab 5. MG (Hohe Meistergrade): Gelb
Ein roter Faden ist hier zu finden: www.kampfkunstblog.com
Hohe Grade (1-4) Lehrergrade / Technikergrade / Meistergrade
Es gibt in der Regel vier Lehrergradegrade. In der Yip Man Stilrichtung unter Leung Ting und befasst man sich hier vor allem mit Chi Sao Sektionen und Kampfanwendungen aus Cham Kiu, Biu Tze und Holzpuppe.
Hohe Grade (5-8) Hohe Meistergrade / Praktikergrade
Auch dieser Bereich umfasst in der Regel vier Grade, wobei man sich mit dem 5. TG bzw. 1. PG als Meister des waffenlosen Wing Chun bezeichnen darf. Dieser fünfte Grad schließt nämlich formal den waffenlosen Teil des Wing Chun ab. Es folgen in den anderen drei Graduierungsstufen Langstock und Doppelmesser.
Großmeistergrade (9-10)
Im 9ten und 10ten Grad gibt es kein Programm mehr im eigentlichen Sinn. Hier gilt es vielmehr alles bisher Gelernte derart zu verinnerlichen, dass man es vollkommen frei umsetzen kann.
Es geht hier nur noch um Prinzipien und Konzepte – nicht mehr um Techniken. Der Großmeister hat sich sozusagen von allen Einzeltechniken befreit.
Prinzipien im Wing Chun
Vor allem in der Yip Man Stilrichtung ist immer wieder von folgenden 8 Prinzipien die Rede. Sie sollen grob das Vorgehen im Wing Chun verdeutlichen (aus dem Buch: „Vom Zweikampf„):
Die vier Kampfprinzipien:
1. Ist der Weg frei, stoß vor.
2. Wenn der Weg nicht frei ist, bleib kleben.
3. Wenn die Kraft des Gegners größer ist, gib nach (Gerade dieses dritte Prinzip erklärt sehr gut, worum es im Wing Chun geht. Man versucht nämlich nicht, mit Kraft zu arbeiten und gegnerische Angriffe zu blocken. Es geht im Wing Chun eher darum, klug nachzugeben und dadurch den Gegner ins Leere laufen zu lassen.)
4. Zieht der Gegner sich zurück, folge.
Die vier Kraftsätze:
1. Mach dich frei von deiner eigenen Kraft.
2. Mach dich frei von der Kraft des Gegners.
3. Verwende die Kraft des Gegners gegen ihn selbst.
4. Füge zur gegnerischen Kraft deine eigene hinzu.
Historisches: Die Yip Man Linie
Wie alt Wing Chun genau ist, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Doch aufgrund einiger bekannter Eckdaten lässt sich das Alter dieser Kampfkunst auf mindestens 250 bis 300 Jahre schätzen.
Was man jedenfalls genau weiß, ist, dass es aus China kommt.
Und man kennt auch ziemlich genau die Großmeister, die es immer weiter verfeinert und an ihre Schüler weitergegeben haben. Und zwar vor allem bis zurück zu Leung Jan.
Letzterer wurde in den Jahren zwischen 1816 und 1826 geboren und verstarb im Jahre 1901. Die genauen Angaben zum Geburtsjahr variieren leider von Quelle zu Quelle.
Die bekanntesten Schüler von Leung Yan waren vor allem Chan Wah Shun und Leung Bik. Beide wurden deshalb innerhalb der Wing Chun Gemeinde bekannt, weil sie die Lehrer von bereits eingangs genanntem Yip Man waren.
Aufbau des Wing Chun Unterrichts
Traditionell besteht das Training zu Beginn vor allem aus Formen, Chi Sao und Lat Sao. Fortgeschrittene beschäftigen sich auch mit Chi Gerk, sowie mit Langstock und Doppelmesser.
Aber der Reihe nach …
Formen und Grundtechniken
Siu Nim Tao (übersetzt „Die kleine Idee“): Die Siu Nim Tao ist die erste Form, die man im Wing Chun lernt. Meist ist sie überhaupt das erste, was man trainiert, wenn man an einem Probetraining im Wing Chun teilnimmt. Wie der Name schon sagt, vermittelt sie einem eine erste „kleine Idee“ davon, was einem im Wing Chun erwartet.
Cham Kiu („Das Suchen der Arme“): Die Cham Kiu ist die zweite Form im Wing Chun. Diese enthält nun auch Schritte und Wendungen und wird deshalb erst nach der Siu Nim Tao gelernt. (Aber Achtung: Das bedeutet keineswegs, dass sie der Siu Nim Tao überlegen ist. Alle Formen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Brauchen tut man alle vier waffenlosen Formen um Wing Chun komplett zu erlernen.)
Biu Tze („Stoßende Finger“): Die Biu Tze wird in der Regel als drittes gelernt. Und sie ist die letzte Form, die noch ohne Hilfsmittel auskommt. Konnte man sich in der Cham Kiu das erste mal vorwärtsbewegen und auch wenden, dann kommen jetzt noch viele weitere Freiheiten hinzu. Nun ist es auch erlaubt, sich nach vor, zurück und seitwärts zu beugen.
Muk Yan Chong („Holzpuppenform“): Die Muk Yan Chong ist die letzte waffenlose Form und wird an einer Holzpuppe trainiert. Sie besteht aus 116 Bewegungsfolgen, wobei 16 davon Tritte sind (jeweils 8 mit jedem Bein). Zum Vergleich: In der Siu Nim Tao und in der Biu Tze kommt kein einziger Tritt vor.
Grundlagentraining: Die Formen bieten natürlich bereits ein gutes Grundlagentraining. Daneben werden in der Regel aber auch Schrittarbeit und weitere Grundtechniken trainiert. Ein Beispiel für ein solches Training von Grundtechniken sind Gleichzeitigkeiten mit und ohne Wendung. Dabei geht es darum, dass der Schüler lernt, gleichzeitig Abwehr und Angriff auszuführen.
Chi Sao und Chi Gerk
Chi Sao („Klebende Arme“): Vom Chi Sao sagt man oft, es sei die Seele des Wing Chun. Und in der Tat ist es etwas, dass Wing Chun von vielen anderen Kampfkünsten unterscheidet. Vor allem in den vier Technikergraden (siehe die Graduierungen weiter unten) beschäftigt man sich zu einem großen Teil mit dieser Thematik.
Im Chi Sao lernt man taktile Reflexe. Das bedeutet, dass man lernt, dem Druck seines Gegners folgen zu können. Der Vorteil ist, dass taktile Informationen des Gegners weniger anfällig für Finten sind als optische. Zudem kann man auf taktile Informationen auch viel schneller reagieren – sofern es natürlich lange genug trainiert wurde.
Chi Sao kann man auf viele unterschiedliche Arten trainieren: Das reicht von vorher abgesprochenen Angriffen bis hin zu komplett freiem Chi Sao.
In der Yip Man Stilrichtung hat Leung Ting fixe Abläufe eingeführt, die er Sektionen nennt. Sinn dahinter ist, dass die Schüler etwas mit nach Hause nehmen können, dass sie auch alleine ohne Lehrer trainieren können – sie also nicht unbedingt wen brauchen, der ihnen ständig über die Schulter schaut. Außerdem dienen sie dazu, dass der Lehrer nichts vergessen kann und wirklich das gesamte Technikrepertoire unterrichtet.
Leung Ting ersann hierzu 7 Cham-Kiu-Sektionen, sowie 4 Biu-Tze- und 8 Holzpuppensektionen.
Dan Chi (einarmiges Chi Sao): Der Schüler beginnt jedoch in der Regel mit einarmigem Chi Sao, da es leichter ist, sich auf nur einen Arm zu konzentrieren. Erst wenn dies halbwegs gut funktioniert, sollte er dazu übergehen, mit beiden Armen gleichzeitig zu arbeiten.
Chi Gerk („Klebende Beine“): Chi Gerk ist dasselbe wie Chi Sao. Mit einem Unterschied: Man trainiert taktile Reflexe nicht mit seinen Armen, sondern stattdessen mit seinen Beinen. Natürlich bedingt es unsere Anatomie, dass man sich hier nur jeweils einem Bein zuwenden kann, da man ja auf dem anderen steht
Kampfanwendungen
Lat Sao („Freikampf“): Der Aufbau des waffenlosen Wing-Chun-Trainings ist traditionsgemäß dreiteilig. Man trainiert Formen, Chi Sao und eben Lat Sao bzw. Freikampf.
Dieser dritte Punkt ist natürlich auch unmittelbares Ziel des körperlichen Wing Chuns (also der ersten Ebene, siehe weiter unten ..).
Freikampf bedeutet hierbei vor allem zweierlei (aus dem Buch Wing Tsun Kuen):
- Zum einen bedeutet es, dass alles möglich ist. Die Kämpfer sind also vollkommen frei in der Auswahl ihrer Angriffe.
- Zum anderen bedeutet es auch, dass zu Beginn kein Arm- oder Beinkontakt besteht, sondern wenn, dann erst während des Kampfes (bzw. des Trainings) hergestellt wird. (Dieser Punkt unterscheidet es ganz klar vom Chi Sao Training, wo anfangs bereits ein Armkontakt besteht.)
Allerdings muss man beim Lat Sao Training bedenken, dass im Wing Chun an sich alles an Angriffen erlaubt ist. Da dies aber in einer Trainingssituation viel zu gefährlich wäre, muss es Einschränkungen geben, wodurch wirklich realistischer Freikampf unter Einsatz von Wing Chun Techniken nur schwer zu trainieren ist.
Textquelle mit freundlicher Erlaubnis von Martin Grünstäudl www.kampfkunstblog.com
Rechtliches: Für die Links, Videos und deren Inhalt übernehme ich weder Verantwortung noch Haftung etc.
Selbstverteidigung
Eine typische Kursbeschreibung (hier für Frauen) könnte so aussehen:
Stärke dein Selbstbewusstsein und lerne dich zu verteidigen!In diesem Kurs erlernen Mädchen ab 16 Jahren effektive Techniken zur Selbstverteidigung und stärken gleichzeitig ihr Selbstbewusstsein.
Warum Selbstverteidigung für Mädchen wichtig ist
- Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist leider ein ernstzunehmendes Problem.Statistiken zeigen,dass jede dritte Frau und jedes dritte Mädchen in Deutschland im Laufe ihres Lebens Opfer von sexualisierter Gewalt wird.
- Selbstverteidigungskurse können Mädchen und Frauen stärken und ihnen Werkzeuge an die Hand geben, um sich in Gefahrensituationen zu schützen.Sie lernen,gefährliche Situationen zu erkennen,deeskalierend zu wirken und im Ernstfall selbstbewusst und effektiv zu handeln.
- Selbstverteidigungstraining fördert nicht nur die körperliche Fitness, sondern stärkt auch das Selbstbewusstsein und die mentale Stärke.Mädchen,die Selbstverteidigung erlernen,fühlen sich sicherer und selbstbestimmter im Alltag.
Was Sie in diesem Kurs lernen
- Gefahren erkennen und richtig einschätzen:In diesem Kurs lernen Sie,potenzielle Gefahrensituationen im Alltag zu erkennen und richtig einzuschätzen.Sie erlernen Techniken,um Konflikten frühzeitig vorzubeugen und Gefahrensituationen zu vermeiden.
- Deeskalation und Kommunikation:Effektive Kommunikation kann in vielen Situationen deeskalierend wirken und Konflikte ohne Gewalt lösen.Sie lernen Techniken der verbalen und nonverbalen Deeskalation und üben,diese in Rollenspielen anzuwenden.
- Selbstverteidigungstechniken:Sie erlernen einfache,aber effektive Selbstverteidigungstechniken,die Sie im Ernstfall anwenden können,um sich zu schützen.Dazu gehören unter anderem Griffe,Tritte und Befreiungstechniken.Mentale Stärke und Selbstbewusstsein:Selbstverteidigungstraining stärkt nicht nur den Körper,sondern auch den Geist.Sie lernen,in Gefahrensituationen ruhig zu bleiben,klar zu denken und selbstbewusst zu handeln.
Der Kurs ist geeignet für Mädchen und junge Frauen ab 16 Jahren, die
- etwas für ihre Sicherheit und ihr Selbstbewusstsein tun möchten
- lernen möchten, sich in Gefahrensituationen zu verteidigen
- effektive Selbstverteidigungstechniken erlernen möchten
- ihre mentale Stärke und ihr Selbstbewusstsein stärken möchten
Fazit:
Im Gegensatz zum klassischem Kampfkunstunterricht lernt in der SV weniger und einfachere Techniken (was nicht schlechter ist). Dafür aber mehr Deeskalation bzw. den Umgang mit Gefahrensituationen. Eine gute Basis für den Start und geeignet für jedermann.